Wolfgang Amadeus MOZART

Komponist, Sohn von Leopold Mozart, * 27. Januar 1756 Salzburg, gest. 5. Dezember 1791 Wien.

(Bilder)

LEBEN

Mozart zeigte früh hohe musikalische Begabung. Von seinem Vater auf der Geige, dem Klavier und in der Komposition unterwiesen, erregte er frühzeitig Bewunderung auf Konzertreisen (ab 1762 unter anderem nach Wien, München, Paris, London, Den Haag, Amsterdam und Genf). 1769 wurde er Konzertmeister des Salzburger Fürsterzbischofs und ließ sich noch in Italien, wo er für seine Kompositionen hohe Auszeichnungen erhielt, von Giovanni Battista Martini weiter ausbilden. Der Mailänder Erfolg seiner Oper "Mitridate" (1770) führte zu weiteren Opernaufträgen. Zurückgekehrt nach Salzburg schrieb Mozart daneben vor allem Kirchenmusik, Serenaden, Divertimenti, Klavier- und Violinkonzerte, Sinfonien und Kammermusik.

Von der provinziellen Enge des Salzburger Hofs zunehmend abgestoßen, nahm er im Sommer 1777 seinen Abschied und reiste stellungsuchend nach Mannheim, Paris und München. 1778 kehrte er auf Vermittlung seines Vaters in den Salzburger Dienst zurück, bis es 1781 zum endgültigen Zerwürfnis mit dem Erzbischof kam. Seit 1781 lebte Mozart als freier Komponist in Wien, wo er seine größten Werke schuf. Er begegnete Joseph Haydn, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband, und lernte über Baron van Swieten die Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels kennen, was zu seiner vertieften Auseinandersetzung mit der polyphonen Kunst des Spätbarocks führte.

Mit seinen inhaltlich brisanten und kritischen großen italienischen Opern verlor Mozart die Gunst des konservativen Wiener Adels-Publikums. In den letzten fünf Jahren seines Lebens schuf Mozart eher zurückgezogen von der breiten Öffentlichkeit die Höhepunkte seines Werks. Versuche einer Anstellung am Preußischen Hof schlugen 1789 fehl. Trotz mehrerer großer Erfolge (auch in Prag und Potsdam) starb er in wirtschaftlicher Bedrängnis. Mozart war seit 1782 mit Constanze, geborene Weber verheiratet, einer Cousine Carl Maria von Webers. In seiner Wiener Zeit war er Mitglied des Freimaurer-Ordens.

STIL

Von seinem Vater mit großer Weitsicht geschult und mit fast allen Musikzentren bekannt gemacht, vermochte sich Mozart die Kompositionsstile der Zeit zu eigen zu machen und mit seiner umfassenden Begabung so zu überhöhen, daß er in allen Kompositionsgattungen vollendete und für die Wiener Klassik zentrale Werke schuf. Besonders deutlich zeigt sich dies, verstärkt durch seinen Instinkt für Dramatik, in seinen Bühnenwerken: Die Opera buffa führte er aus dem herkömmlichen, höfisch-glatten Stil (z. B. in "La finta semplice", 1768) zu weite Affektbereiche umspannenden Werken wie "Le Nozze di Figaro" (1786), "Don Giovanni" (1787) und "Cosi fan tutte" (1790). Ebenso wird in "Idomeneo" (1781) das weithin erstarrte Schema der Opera seria durch musikalische Dramatisierung abgelöst. Seine deutsche "Zauberflöte" (1791) bildet eine Synthese seines Opernschaffens; sie wirkte weit über die Wiener Klassik hinaus und wurde Vorbild der musikalischen und literarischen Romantik.

In seinen großen Opern gelang es Mozart, mit einer reichen und differenzierten Orchestersprache "realistische" und psychologisch glaubwürdige Figuren auf die Bühne zu stellen und diese präzise musikalisch zu charakterisieren. Die Formgestaltung der Opern ist geschmeidig an die dramatischen Situationen angepaßt und führt in den großen Finali zu einem bewundernswerten Wechselspiel der Aktionen. In seinen Symphonien und Instrumentalkonzerten sind italienische Einflüsse mit den Errungenschaften der Mannheimer Schule und der deutschen Kontrapunktik verschmolzen. Die Werke vertiefen die unbefangene Massenproduktion der bisherigen Tradition zu bedeutenden individuellen Aussagen.

Zu seinen größten Neuerungen zählt die Kammermusik, in der Mozart eine exemplarische Verbindung von polyphoner und homophoner Schreibweise gelang. Nach dem Vorbild Haydns erreicht Mozart in der Kammermusik dichte thematische Konzentration und Gleichrangigkeit aller Instrumente bei einem verschwenderischen Reichtum musikalischer Gestalten. Die Musik von Mozart faßt die gesamte Fülle der musikalischen Kultur des 18. Jahrhunderts in sich und spiegelt gleichzeitig die neue Situation des bürgerlichen Künstlers in der höfischen Gesellschaft. Dadurch wurde Mozart zu einer zentralen Leitfigur der gesamten neueren Musikgeschichte.

WERKE

Opera buffa "La finta giardiniera" (1775); Opera seria "Mitridate, Rè di Ponto" (1770), "Ascanio in Alba" (1771), "Il sogno di Scipione" (1772), "Lucio Silla" (1772), "Il Rè pastore" (1775) und "La Clemenza di Tito" (1791); Singspiele "Bastien und Bastienne" (1768), "Za'de" (1779), "Die Entführung aus dem Serail" (1782) und "Der Schauspieldirektor" (1786); 41 Symphonien (zusätzlich weitere zweifelhafte), Divertimenti, Serenaden und Tänze für Orchester; Solokonzerte: 21 für Klavier, 9 (3 davon zweifelhaft) für Violine, 4 für Horn, 2 für Flöte, je eines für Oboe, Klarinette und Fagott; konzertante Werke mit verschiedener Besetzung; Kammermusik (26 Streichquartette, 6 Streichquintette, 8 Klaviertrios, 41 Violinsonaten, Bläserserenaden, Klavierquintett mit Bläsern); 19 Sonaten, 15 Variationenwerke, Rondos und Fantasien für Klavier; Oratorium "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes", ein unvollendetes Requiem, Kantaten u.a. Vokalwerke; Kirchenmusik, darunter 18 Messen.